Schöpfungsgeschichte: Kreativität im Werkhaus der LVR-Klinik

Der Grundkurs Katholische Religion der Heinrich-Böll-Gesamtschule arbeitete erfolgreich und kreativ in Werkhaus 5 der LVR-Klinik zur Schöpfungsgeschichte. Foto: Thomas Hax-Schoppenhorst .
Der Grundkurs Katholische Religion der Heinrich-Böll-Gesamtschule arbeitete erfolgreich und kreativ in Werkhaus 5 der LVR-Klinik zur Schöpfungsgeschichte. Foto: Thomas Hax-Schoppenhorst .

DÜREN. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster … Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ So lautet es zu Beginn des ersten Schöpfungsberichts in der Bibel. Mittlerweile sind mehrere Millionen Jahre vergangen, und ein Blick in die Nachrichten genügt, um zu der bitteren Erkenntnis zu gelangen, dass es um die Erde schlecht bestellt ist.

 

Der evangelische Theologe Jörg Zink ließ seinen Text „Die letzten sieben Tage der Schöpfung“, den er als kritische Entgegnung auf die biblische Version 1973 verfasste, mit dem deprimierenden Fazit zum siebten Tag enden: „Die Erde war wüst und leer, und es war finster (…).

Und der Geist des Menschen irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos.“ Inge Schötzau, Lehrerin für Katholische Religion an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Düren, lässt diese apokalyptische Sicht seit langer Zeit nicht los. Als engagierte Pädagogin weiß sie genau, dass sich das Blatt vielleicht noch wenden lässt, wenn es gelingt, die Jugend zu mobilisieren.

Da die bloße Beschreibung ökologischer, ökonomischer und auch politischer Fehlentwicklungen wenig geeignet ist, Köpfe und Herzen von Schülern zu erreichen und eine solche Vorgehensweise junge Menschen zu sehr belasten könnte, wählte sie als Zugang die Mittel der Kunst. In Kooperation mit Anita Derbe, Kunsttherapeutin an der LVR-Klinik Düren, und ihrer ehemaligen Kollegin Doris Westermann plante sie Mal-Workshops, die im Werkhaus 5 der Klinik umgesetzt wurden.

Im Vorfeld thematisierte sie in ihrem Grundkurs Katholische Religion mit 22 Teilnehmern die komplette Version des ersten Schöpfungsberichts in der Bibel und stellte diesem die provokante Sicht Jörg Zinks gegenüber.

Von Beginn an wurde in der Gruppe sehr engagiert darüber diskutiert, worin die Ursache für diese globale Krise liegen könnte. „Es darf jedoch nicht“, so Inge Schötzau, „beim bloßem Reden über das Problem bleiben, denn sonst kommt schnell das Gefühl auf, dass wir als Einzelpersonen viel zu ohnmächtig sind. Es muss folglich die Möglichkeit geben, das Gehörte und Gelesene zu verarbeiten, mit persönlichen Gedanken und Visionen zu kombinieren.“

In einem zweiten Schritt traf man sich dann an mehreren Schultagen in einem Workshopraum der Klinik, um dem Kurs die Möglichkeit zur bildhaften Darstellung zu geben. Sehr schnell entwickelten die Schüler Konzepte ihres sehr persönlichen Bildes und griffen beherzt zu Pinsel und Farbe. Entstanden sind Arbeiten, die sowohl Gottes Plan von seiner Erde als auch pessimistische Perspektiven thematisierten.

 

Bilder von großer Leuchtkraft standen Weltuntergangsstimmungen gegenüber. Nach Einschätzung von Anita Derbe erreichten die Arbeiten eine „erstaunliche Qualität“. Inge Schötzau zog begeistert Bilanz: „Die Art des Umgangs mit diesem uns alle betreffenden Problem hat bewirkt, dass alles Belastende, aber auch Zuversicht und Hoffnung einen sehr persönlichen Ausdruck fanden. Wer so vorgeht, schöpft neue Kraft oder entlastet seine Seele.“

Auch der Kurs zeigte sich begeistert von dem Projekt. Vom Ende der Welt kann also keineswegs die Rede sein, waren sich die Schüler einig. Eine in die vorösterliche Zeit passende Botschaft.