APRIL 2026: JOBSHADOWING AN DER DUN MANWEL ATTARD WARDIJA SCHOOL
Willkommen in der Dun Manwell Attard School, einer kleinen Ruheoase im ländlichen Wardija, nahe dem Touristen-Hub St. Paul’s Bay, wo auf jedem noch verbleibenden Fleck Land ein Gebäude nach nach dem nächsten errichtet wird – angetrieben durch eine gut laufende Wirtschaft. Nur etwa zehn Minuten Autofahrt führt aus dieser geschäftigen Gegend zu einem kleinen Idyll mit großzügig angelegter Gartenanlage, in der Hühner, Fische, Pfaue, Vögel, Bienen, Raupen und natürlich unzählige Pflanzen und Bäumen ihr Zuhause finden.
Frustriert vom schulischen „Normal“, in dem Schüler*innen von Test zu Test arbeiten – ohne emotionale oder soziale Wertschöpfung – haben die Lehrkräfte an diesem Lernort neue Möglichkeiten des Lernens und Lebens geschaffen. Hier wird Jugendlichen mit zum Teil erheblichen körperlichen wie geistigen Beeinträchtigungen genügend Zeit gegeben, um die sprachlichen und mathematischen Grundlagen zu lernen, die sie später für ihren Alltag benötigen. Umgesetzt wird dies unter anderem durch eine Schulfirma, über die Produkte wie Marmeladen, Honig, oder Olivenöl hergestellt und unter eigenem Markenlogo vertrieben werden. Um ihre Erfolge mit uns zu teilen, versucht sich die Schule an dem Konzepz reverse inclusion (umgekehrte Inklusion): Menschen ohne Behinderung werden in dieses Umfeld integriert, das primär für Menschen mit Behinderung konzipiert ist. Und auch heute sind wir Deutschen nicht alleinige Besucher. Uns begleiten zwei Lehrkräfte aus Portugal.
Zum Auftakt unseres Aufenthaltes erhalten wir einen ausführlichen Rundgang über das gesamte Schulgelände. Die Lehrkräfte erklären uns, dass die Differenzierung hier mit dem Wort root gekennzeichnet wird. Während root one Schüler*innen Körperpflege und -Bewusstsein lernen, arbeiten root two Lernende im Garten oder stellen Gegenstände zum Verkauf her. Hierzu gehören bedruckte Textilien, Keramik verschiedenster Art oder auch Kerzen. Verantwortungsvollere Aufgaben wie Inventur werden von root three Schüler*innen übernommen.
Innen wie außen gibt es immer wieder Bereiche, in die sich Schüler*innen zurückziehen können, wenn sie sich überstimuliert fühlen. Hierzu gehören sogenannte Motor-Sensory Room, sowie die Gartenanlage mit ihren Tieren und Pflanzen.
Wir dürfen ebenfalls beim Sport- und Tanzunterricht hospitieren und einige Schülerinnen und Schüler zeigen uns die Tiere, um welche sie sich gemeinsam kümmern. Im Außengelände wird der Aufenthalt von plätscherndem Wasser aus dem Schulteich, Vogelgezwitscher und dem Krähen eines Hahns untermalt.
Es steht ebenfalls Gardening auf dem Stundenplan. Wir werden zuvor zu den Schuleigenen Bienenstöcken geführt – natürlich im Gebührenden Abstand: ein Verschlag mit Trennetzen schützt uns beim Besuch.
Beete mit Gemüse und Kräutern stehen nicht nur im Gewächshaus, sondern auf dem gesamten Gelände verteilt. Chris zeigt uns, wie die Lernenden die Pflanzen von der Keimung in kleinen Töpfen bis zur Umpflanzung ins Gewächshaus begleiten und schließlich lernen, wie aus den erwachsenen Pflanzen neue Samen gewonnen werden können. Alles hier wird ohne Herbizide oder Pestizide angebaut. Dem Befall der Pflanzen durch Raupen wurde durch einen separaten Bereich Abhilfe geschafft. Jeden Tag suchen die Schüler*innen auf den Pflanzen nach den Raupen, sammeln sie ein und bringen sie in den separaten Bereich. Dort werden sie nach der Verpuppung zum Schmetterling in die Freiheit entlassen. Genügend Nahrung finden diese wiederum auf den Blumenwiesen ringsum.
Auch der Fischteich wird durch Pflanzen biologisch gereinigt. Das Schmutzwasser wird hierzu zu den Beeten geleitet und dient den Pflanzen dort als Dünger. Sie filtern das Wasser, indem sie die Nährstoffe aufnehmen und das saubere Wasser gelangt wieder in den Teich.
6 Jahre verbringen die jungen Menschen an dieser Berufsschule, um in einem Handwerk ausgebildet zu werden. Leider ist es dennoch sehr schwierig, nach der Schule eine Arbeit zu finden. Hier wünschen sich die Lehrkräfte mehr Willen seitens der Politik, den Betrieben Anreize zu setzen, um den jungen Menschen hier mehr Chancen zu ermöglichen.










